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Hier stehe ich

  • Katja
  • 22. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit


In mir lebt dieses kleine Mädchen.

Dieses Mädchen, das nie wirklich Mädchen sein durfte.

Das zu früh stark war. Zu früh vernünftig. Zu früh verantwortlich für Gefühle, die eigentlich nicht ihre waren.


Sie kann sich über die kleinsten Dinge freuen. Über Sonne im Gesicht. Über ein ehrliches Lachen. Über dieses eine Gefühl, wenn jemand sie wirklich sieht. Sie würde am liebsten jeden Tag staunen, vertrauen, lieben – ohne Sicherheitsnetz, ohne Exit-Strategie.


Und dann bin da ich.

Die Erwachsene. Die Kontrollierte. Die, die immer einen Schritt vorausdenkt.

Die sagt: „Pass auf.“

Die warnt: „Nicht schon wieder.“

Die das kleine Mädchen sanft, aber bestimmt zurückzieht, sobald es zu schön wird.


Ich kann Menschen lesen. Ich kann sie spiegeln, fühlen, halten. Ich geniesse es, wenn sie durch mich ein Stück klarer werden. Manchmal lebe ich durch sie – durch ihre Offenheit, ihren Mut, ihre Freiheit. Es ist einfacher, ihr Leuchten zu begleiten, als selbst zu leuchten. Denn wenn ich selbst leuchte, mache ich mich sichtbar. Und Sichtbarkeit macht verletzlich.


Und dann kam diese Person .

Die erste seit Langem, bei der ich mich nicht nur reflektiert, sondern frei gefühlt habe. Frei im Reden. Frei im Schweigen. Frei im Lachen. Bei ihr musste ich nicht funktionieren. Ich durfte einfach sein. Und genau das hat etwas in mir aufgemacht, das ich lange verschlossen hielt.


Gerade verändert sich vieles. Vielleicht verliere ich sie. Vielleicht verlieren wir uns. Und es tut weh – nicht nur wegen ihr, sondern wegen dem Gefühl, das ich mit ihr wiedergefunden habe.


Und dann ist da noch jemand anderes.

Jemand, den ich nicht greifen kann. Nicht, weil er nicht da ist – sondern weil ich nicht weiss, wo wir stehen. Und dieses Nicht-Wissen triggert alles in mir. Alte Muster. Alte Schutzmechanismen. Die Kontrolle übernimmt wieder das Steuer. Schweigen fühlt sich sicherer an als fragen.


Aber dieses Mal habe ich meinen Mund aufgemacht.


Ich habe gesagt, wo ich stehe.

Habe gesagt, dass ich Klarheit brauche.

Habe gefragt: „Wo stehen wir eigentlich?“


Meine Stimme hat gezittert, aber sie war da. Und allein das ist für mich ein kleiner Triumph. Ein Schritt raus aus der Kontrolle. Ein Schritt hin zum Leben.


Ich habe keine Orientierung bekommen. Keine klare Antwort, kein festes Geländer, an dem ich mich festhalten kann. Und ja, ich verstehe warum. Ich verstehe die Umstände. Die Unsicherheiten. Die eigenen Themen des Anderen. Mein Kopf kann das alles einordnen.


Aber mein Herz fühlt trotzdem das Fehlen.

Es fehlt mir, zu wissen, woran ich bin.

Es fehlt mir, mich anlehnen zu können.

Es fehlt mir, gemeinsam zu definieren, was wir füreinander sind.


Und vielleicht ist genau das der Punkt:

Ich habe mich gezeigt. Ohne Garantie. Ohne Sicherheit. Ohne Kontrolle über das Ergebnis.


Das kleine Mädchen in mir hat gesprochen.

Und auch wenn sie keine Antwort bekommen hat, wurde sie nicht wieder weggesperrt.


Vielleicht bedeutet Leben nicht, dass man gehalten wird.

Vielleicht bedeutet Leben, dass man sich zeigt – auch wenn niemand verspricht zu bleiben.


Und vielleicht ist mein eigentlicher Satz nicht:

„Wo stehen wir?“


Sondern:

„Hier stehe ich. Und ich habe keine Angst mehr, gesehen zu werden.“


 
 
 

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​Hinweis: Die Gespräche sind keine Therapie und ersetzen keine medizinische oder psychologische Behandlung.

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